Was heißt eigentlich Selbstversorgung?

Für uns ist es der Anspruch möglichst wenig auf externe Ressourcen zurückgreifen zu müssen. Die Dinge, die wir benötigen auf möglichst kurzen Wegen zu bekommen und im Idealfall selbst zu produzieren. Wer produziert statt konsumiert hat dabei fast automatisch auch ein anderes Verhältnis zum Wert der eigenen Produkte. Das beste Beispiel dafür sind unsere Hühner. Wir ziehen sie selber groß, vom Ei bis zum ausgewachsenen Huhn. Wir züchten mit dem Bielefelder Kennhuhn eine Rasse, die sowohl eine gute Menge an Eiern produziert (ca. 230/Jahr, im Vergleich legt ein Batteriehuhn ca. 310/Jahr und sieht dann auch entsprechend aus, momentan legen sie jahreszeitlich bedingt gar nicht, die Industrie würde hier schon künstlich entgegenwirken) und gleichzeitig auch ordentlich Fleisch ansetzt. Wir essen sehr selten Fleisch und wenn, dann wollen wir wissen, dass es aus guten Händen kommt. Wir produzieren ihr Futter auf unserem Feld, schneiden ihnen frisches Gras, verwöhnen sie mit Leckerbissen. Wir sorgen dafür, dass sie gesund sind und bleiben. Sie müssen alle drei Monate geimpft werden. Was wir nicht selbst an Futter produzieren können, kaufen wir beim örtlichen Bauern zu, der seine Rohstoffen auf den umliegenden Feldern produziert. Die Wege sind kurz und ganz nebenbei damit auch die vielbeschworene Klimabilanz. Das Wasser für unsere Hühner fördern wir aus unserem Brunnen. Am Ende erleben wir zufriedene und gesunde Tiere, geschmacklich ausgezeichnete Eier und vergleichsweise festes Fleisch. Wir sind nicht Bio-zertifiziert, aber an vielen Punkten überschreitet unser Standard auf natürliche Art und Weise die Voraussetzung solcher Label. Wenn wir unsere Überschüsse verkaufen stehen wir in dem Dilemma einen Preis festzulegen. Für 10 Eier dann 2€ zu bekommen deckt dann nicht einmal die Kosten für das Futter. Was kosten Bioeier im Laden? Mittlerweile haben wir schon 10er Packungen für 6€ entdeckt. Es geht uns dabei gar nicht um die Differenz von 4€. Es geht um den Wert der Dinge, um den Respekt vor dem Aufwand und der Arbeit und um die Wertschätzung der Bürde, die eine solche Haltung mit sich bringt. Im Umkehrschluss können wir seither aber auch keine Milch für 0,40€/l kaufen oder Fleisch vom Discounter.

In einem Buch haben wir gelesen, dass für jedes 10% Selbstversorgung 1h/Tag an Arbeit notwendig ist. Nun gibt es in einer Familie mit drei Kindern und berufstätigen Eltern vieles im Überfluss, Zeit ist es meist aber nicht. Das führt zu Abstrichen. Realistisch können wir im Durchschnitt momentan ca. 25% umsetzen. Manches kaufen wir aus Zeitmangel zu, verarbeiten es aber auf althergebrachte Weise dann selbst weiter. Ein gutes Beispiel dafür ist das Korn. Wir verbrauchen im Monat ca. 10kg Getreide. Das sind 120kg/Jahr. Über die Jahre konnten wir kleinere Mengen aus eigenem Anbau zusteuern, das meiste kaufen wir aber dazu. In unserer Mühle wird es gemahlen, dann zu Gebäck weiterverarbeitet. Eine WWOOFerin meinte irgendwann einmal zu uns, sie kennen niemanden, der seinen Pizzateig selber mache. Das wiederum können wir uns nicht anders vorstellen. Statt der Unsicherheiten des Getreideanbaus, gehen wir unserer Arbeit in sozialen Berufen nach und investieren das Einkommen in Urprodukte, die wir weiterverarbeiten. Und so bleibt es doch ein wenig mehr Selbstversorgung, als wenn wir das fertige Produkt kaufen. Wir wünschen uns mehr Mut die Sicherheiten zu verlassen und unseren prozentualen Anteil zu erhöhen. An manchen Stellen gelingt uns das, an anderen dürfen wir noch wachsen.

Viel wichtiger ist und bleibt aber die Basis des Ganzen und das ist das Bewusstsein. Ohne das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines veränderten Konsumverhaltens sind alle nachfolgenden Schritte irrelevant und unnötig. Hier bedarf es des täglichen Erinnerns, mantragleich, das nicht alles, was möglich ist auch nötig ist. Das kennen aber wahrscheinlich die meisten Menschen. Schön sind dann Situationen, in denen man gemeinsam überlegen kann. Was früher aus der Not heraus selbstverständlich war (nicht jeder konnte alles allein vorhalten – die Menschen mussten sich austauschen) ist heute zur Tugend geworden. Unser Anhänger beispielsweise ist fast nie am Hof, sondern ist im ständigen Verleih im Familien- und Freundeskreis. Wir machen uns keine Gedanken über einen Stellplatz und die anderen Nutzer brauchen sich keinen Anhänger zu kaufen. Ich bin mir sicher, dass es allein in unserer Straße 20 Rasenmäher gibt und es rein von der Nutzungszeit wahrscheinlich nur zwei sein müssten. Was man mit dem Geld und der dahinterstehenden Arbeit für die 18 anderen alles hätte machen können? Das ist gerechtes Teilen, das ist auch Permakultur. Darüber kann man doch einmal nachdenken…

 


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.