Zum Hof- und Gartentag gestalten wir eine kleine Permakulturausstellung.

Der Artikel über uns in der Lokalzeitung verfehlte seine Wirkung nicht. Aus den unterschiedlichsten Ecken bekamen wir Kontaktanfragen und die Besucherzahlen zum Hof- und Gartentag erhöhten sich spürbar. Auf der Arbeit sprach mich ein Kollege an, er habe von uns gelesen und wir kamen im Gespräch darauf, dass wir noch eine Wiesenfläche zur Heugewinnung suchten.

Unsere Pflegewiese im Wald

Er erzählte uns von einer Brache, die ihm gehöre. Sie liegt eine Viertelstunde vom Hof entfernt inmitten eines kleinen Waldstücks. Gegen ein bisschen Hilfe könnten wir die nutzen. Ein wirklich schönes Fleckchen Erde mit herrlichem Ausblick. Wir sind gespannt, wie ergiebig die Wiese ist. Es ist wunderbar zu sehen, wie sich ein richtiges kleines Netzwerk aus Freunden und Tauschpartnern entwickelt. Ich weiß nicht, ob das in der Stadt auch so unkompliziert funktioniert. Was der Eine nicht hat, hat der Andere – ein Geben und Nehmen, Ehrenworte. Hier sind wir gern konservativ.

Jonah und Jakob.

Unser jüngster Zuwachs gedeiht prächtig. Mit großem Stolz wissen wir, dass unser Jakob gar nichts anderes als dieses Leben hier kennen wird. Alle sind beflissen ihm zu helfen, die „großen“ Geschwister kümmern sich rührend, fast muss man sie das ein oder andere Mal bremsen in ihrem Eifer. Nicole trägt den kleinen Mann in seiner Trage über den Hof, die Arbeit wartet ja nicht. Nun, da er schon fast vier Monate alt ist wird er zunehmend kommunikativer, gemeinsam mit ihm zu lachen vertreibt jede schlechte Laune.

Das Melken ist dank dieser Eigenkonstruktion sehr viel rückenfreundlicher.

Die Frage Schaf oder Ziege, die wir uns im letzten Jahr stellten, haben wir nun endgültig für die Ziegen entschieden. Die Vorstellung aus den Schafen Wolle, Fleisch und Milch zu bekommen, hat sich als Irrtum erwiesen. Die heutigen Schafrassen lassen sich nur schwer melken, Wolle zu vermarkten ist über den Hausgebrauch hinaus unwirtschaftlich. Das kardierte Vlies aus dem letzten Jahr können wir nicht in angemessener Menge aufbrauchen. Rohwolle wird einem heutzutage hinterhergeworfen. Bleibt das Fleisch, und das ist wirklich hervorragend.

Eigenes Fleisch und eigene Wurst: Steaks, Salami, Schinken und Bockwürste füllen unsere Kammer.

Unsere Lämmer gingen nun am Ende des Sommers ihren geplanten Gang in unsere Speisekammer, die Elterntiere konnten wir in eine paritätische Einrichtung mit artgerechtem Tiergehege vermitteln. Unseren Ziegenbestand stockten wir daraufhin mit den Thüringer Waldziegen „Jonas“ und „Hannah“ (Ruth ist eine fleißige Täuferin) auf. Jonas ist ein kastrierter Bock und Hannah eine junge Ziege, die uns im kommenden Jahr Milch liefern darf. Aktuell haben wir einen Leihbock zu Besuch, der unsere Damen beglücken soll. Er ist eine Burenziege, eine afrikanische Fleischziegenrasse. Somit ist auch eine gute Verwertung des Nachwuchses gewährleistet. Gutes, selbsterzeugtes Fleisch ist ehrlicher als der unreflektierte Gang zur Theke. Nachdem die Milchleistung unserer weißen Ziegen über den Sommer nach oben ging, stagniert sie aktuell bei ca 1,5l/Tag. Das ist genug für den Eigenverbrauch.

Ziegengouda mit Salzmantel. Die Oberfläche muss gut gesalzen werden um unerwünschte Kulturen fernzuhalten.

Auch das Käsen wird so möglich. In der nahegelegenen Rohmilchtankstelle bekommen wir regionale Kuhmilch, die wir mit unserer Milch mischen können. Das erhöht die Varianz in der Käseauswahl. Dass der Kartoffelkeller auch eine gute Käsehöhle ist freut uns dabei sehr. Wir sind gespannt wohin sich das entwickelt.

Unser Honigwein wird auf Flaschen abgezogen und anschließend verkorkt. So kann er sicher gelagert werden.

Ganz besonders stolz sind wir auf unseren Honigwein. Da es Schwierigkeiten bei der Säureeinstellung gab, mussten wir die Menge verdoppeln. So haben wir jetzt 100l Wein, der aufgrund des Alkoholgehalts und der nach wie vor hohen Säure mit Apfelsaft noch einmal auf die doppelte Menge gestreckt wird. Durch den eigenen Honig mit fast kostenlosem Ausgangsmaterial konnten wir hier ein wertvolles Produkt erfolgen, das uns und unsere Gäste bis in den kommenden Sommer erfreuen wird.

Fallobst sammeln. Sehr viel Birnenkompott wandert in unsere Kammer.

Die Ernte im Garten fiel wie erwartet durchwachsen aus. Der Humusanteil im Boden liegt noch nicht im Optimum. Wir mulchen fleißig weiter. Tomaten gab es reichlich, Äpfel und Kohl spärlich. Die Walnussernte überstieg unsere Erwartungen. Da können wir im Winter schöne Sachen zaubern. In der nächsten Saison wollen wir „schwarze Nüsse“ probieren und uns ein bisschen breiter aufstellen was die Nutzung der Ertragszone angeht. Trotz der meteorologischen Katastrophen ließen wir es uns nicht nehmen am 3. Oktober ein Erntedankfest mit vielen lieben Gästen zu feiern. Es war ein wirklich schöner Nachmittag mit vielen neuen Bekanntschaften und dem Versprechen ein solches Zusammenkommen recht bald zu wiederholen. Permakultur heißt eben auch nachbarschaftliche Strukturen auszubauen.

Die Hortkinder helfen beim Basteln einer Igelhütte.

Die Kurse und Seminare, die wir in diesem Jahr begonnen haben anzubieten sind gut angelaufen. Hier ist im nächsten Jahr noch Luft nach oben. Viele neue Ideen warten in unseren Köpfen. Besonders hat es uns gefreut, dass wir sehr viele Kinder bei uns auf dem Hof zu Besuch hatten. Ob das die mitgebrachten Sprösslinge unserer Besucher waren oder die Hortgruppe aus der örtlichen KiTa, es hat Spaß gemacht ihnen beim Entdecken zuzusehen. Keine andere Altersgruppe nimmt so vorurteilsfrei neues altes Wissen auf. Wir hoffen, dass die Begeisterung für die Natur die Jugend überdauert. Als Erwachsene begrüßen wir Euch dann gern als Vereinsmitglieder!

Unsere kompakte Hortusburg

Nachdem der Alltag mit Baby wieder etwas in Struktur gekommen ist, geht es auch auf dem Hof wieder mit gewohntem Tempo voran. Die Rümpelecke vor der Scheune, in der wir Schutt, Steine und Schrott gesammelt haben konnten wir mit Hilfe unserer WWOOFerin beräumen. Entstanden ist eine wirklich tolle Hortusburg, die auf kleinem Raum die Grundgedanken des naturnahen Gärtnerns erklärt. Im unteren Bereich befindet sich eine Igelhöhle und ein Krötenloch. Links von der Steinpyramide (ein Naturmodul für Insekten und Reptilien) ist ein Magerbereich, der Substrat für heimische Wildpflanzen bietet. Auf der rechten Seite ist auf terassierten Hochbeeten Platz für Ertragspflanzen. Danke allen Helfern!

Die Gottesanbeterin ist seit 2006 um den Geiselsee heimisch geworden.

Nur kurze Zeit später fanden wir hier in direkter Nähe eine Gottesanbeterin! Für uns eine klare Auszeichnung für einen giftfreien, artenreichen Garten und das beste Zeugnis für den Sinn unserer Arbeit.

Bleibt gut behütet!

Eure Grünlinger

Ruth und Jakob genießen das Ofenfeuer.


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