Mein Name ist Christian Lellinger. Ich bin 1986 in Halle geboren. Schon in meiner Kindheit interessierte ich mich für Pflanzen. Besonders Heilpflanzen hatten es mir angetan. Bei Ausflügen mit den Großeltern zog es uns einmal in einen Klostergarten und ich bekam mein erstes Bestimmungsbuch geschenkt. Vielleicht war da der Keim gelegt. Mit 12 Jahren zog ich auf’s Land. Die Nachbarn hatten Hühner und wenn sie im Urlaub waren, durfte ich sie auch selbst versorgen. Im großen Garten gab es viel zu beobachten. Riesige Königskerzen bewucherten die Wiese.

Als ich nach der Schulzeit auszog, verschlug es mich nach Jena. Hier begann ich ein Theologiestudium. Meine Motivation war gewachsen aus der Erkenntnis, dass diese Welt so wie sie ist, in einer Spirale der Destruktion und der Gleichgültigkeit gefangen ist. Hier sah ich mich in der Aufgabe, dem bescheiden zu versuchen etwas entgegen zu setzen. Wenngleich die Studieninhalte sehr interessant waren, verflog der Reiz der Arbeit als Pfarrer bald an der absehbaren Realität dieses Berufs. Die Umstände sind hinlänglich bekannt. Es stellte sich mir die Frage: Welche Alternativen gibt es? Gelebten Dienst am Menschen fand ich am ehesten in dem Beruf der Krankenpflege wieder. Ich begann meine Ausbildung im Jahr 2011.

Zur gleichen Zeit wuchs in mir der Wunsch nach harmonischem Ausgleich zur schweren Arbeit: eigenes natürliches Grün. Wir pachteten einen Schrebergarten. Dort begannen wir zunächst sehr konventionell. Erfahrungswissen traf Buchweisheiten und bald erkannten wir, dass es mehr als Spaten und Hacke braucht, um ein funktionierendes Ökosystem zu kreieren, in welchem neben dem Menschen auch noch die ganze Vielfalt der Schöpfung ihren Platz findet. Der erste Hortus (Hortus spiritus vitae) war geboren.

Es dauerte dann fünf Jahre bis der Entschluss fiel, dass zur Selbstversorgung mehr Platz nötig sei und vor allen Dingen dafür auch Tiere sehr wichtig sind. 2016 konnten wir uns dann das Grundstück und den Hof in Oechlitz kaufen. Ganz in der Nähe hatten wir vier Jahre zuvor geheiratet. Das Haus sagte uns auf Anhieb zu, es brauchte kein Vergleichsobjekt. Wir fühlten uns ab der ersten Minute zu Hause. Hier wohnen und werkeln wir nun.

Seit 2017 nennen wir uns Grünlinger Hof, haben wieder einen Hortus (Hortus fundi viridis) und versuchen interessierten Anderen die Idee vom selbstversorgerischen Landleben im Einklang von Mensch und Natur näher zu bringen. Neben meinem Beruf am Menschen fügt sich diese Arbeit wunderbar ein in die Ethik der Permakultur: Earth Care, People Care, Fair Share – Die Pflege der Erde, des Menschens und das gerechte Teilen. Ein Lebenskonzept.